Aus dem Dorfgeschehen (chronologisch ab 1803)

1803 Die Salmer Mühle, die dem Grafen von Manderscheid gehörte, wird für 186 Thaler am 11. Oktober verkauft.
1815  Salm gehört zur preußischen Rheinprovinz
Unter dem französischen 1ng.-Geographen Oberst Tranchot (1803 - 13) und dem preußischen Generalmajor von Müffling (1816 - 20) finden umfangreiche Vermessungs- und Kartierungsarbeiten statt.
1816

 Wie ein roter Faden ziehen Hungersnöte, Sturmfluten und Witterungsschäden durch die ganze Eifel. Bis in den Juni hinein liegt Schnee. Ende September wird das Heu eingebracht, das Korn reift erst im Oktober. Im selben Monat setzt Frost ein, Anfang November fällt der erste Schnee.

1817

 Ein wahres Hungerjahr in der ganzen Eifel. Das Malter Korn kostet 23 Taler, ein achtpfündiges Brot 15 bis 17 Silbergroschen, der Zentner Kartoffeln 3 112 Taler. Die Not der Bevölkernng ist so groß, daß man Futterkräuter und Wurzeln ißt. Von Seiten der preußischen Regierung gibt man sich Mühe, die größte Not zu lindern. Zwei Millionen Taler werden ins Notstandsgebiet überwiesen, tausende Malter Korn in Ostpreußen eingekauft; so kann man den Armen täglich Brot geben.

1852

Vom 1. Oktober 1949 bis zum 1. Oktober 1852 emigrieren *-den Kreisen Bitburg, Prüm, Daun und Wittlich 1552 Einwohner. Sie nehmen ein Vermögen von etwa 175 000 Talern mit, eine sehr hohe Summe für die damaligen Verhältnisse in der Eifel. Eine Meliorationsgesellschaft (Gesellschaft zur Bodenverbesserung) wird gegründet mit 180 Morgen Fläche und 889 Talern Baukapital als Erste des Regierungsbezirks Trier. Die Feldwege werden reguliert:

1856

Der gesamte untere Ortsteil wird durch einen Großbrand vernichtet. Ein Salmer Bürger namens Nikolaus Nagel, der sich aufs Heu zum Schlafen gelegt hatte, verbrennt lebendigen Leibes.

1864

 Mit dem Bau von Pfarrhaus und Ökonomiegebäuden entstehen der Gemeinde große wirtschaftliche Schwierigkeiten. Ein Großteil des Gemeindewaldes wird an den Staat verkauft.

1869/71

Die Eisenbahnstrecke Trier - Köln wird gebaut, auch abgelegene Orte sind in kurzer Zeit von den aufstrebenden Industrieorten (Ruhrgebiet) aus zu erreichen. Der Krieg mit Frankreich (1870/71) verschafft dem Bahnbau höchste Priorität.
Viele heute noch sichtbare Köhlerplätze zeugen von der Schaffenskraft unserer Ahnen. Der Niedergang der Eifeler Eisenindustrie nimmt einigen den Erwerb und setzt eine erste Abwanderungswelle ins aufstrebende Ruhrgebiet in Gang.
Im Jahre 1870 wird das gesamte Anwesen "Mergenhof" durch Brandstiftung vernichtet. Ein Gast der zum Hof gehörenden Gastwirtschaft legt nach einem Streit das Feuer. Die Bewohner kommen im Nachbarhaus "Pickes" (Krones) unter. Ein Oberregierungsrat Linz aus Trier kauft den Hof mit dem dazugehörigen Land und baut alles wieder auf. Nach einigen Jahren kann alles wieder zurückerworben werden, die Gastwirtschaft wird nicht mehr eröffnet. Im Haus gegenüber wird eine Gaststätte eingerichtet.

1872 In den hiesigen Zeitungen erscheinen regelmäßig Anzeigen, die für die Auswanderung werben. Einige sind mutig und suchen ihr Glück in der "Neuen Welt", sie wandern aus nach Amerika ("Mohnen").
1884 Deutschland ist Kolonialmacht.
1885 Salm gründet eine Wiesengenossenschaft; am 27.7. trifft der Landwirtschaftsminister zur Besichtigung der neuen Melioration im Kreis Daun ein.
1887 Es herrscht während des Sommers eine große Dürre. Erd- und Strauchfrüchte erfrieren dreimal in diesem Sommer. Doch schadet der Frost meist nur im Tale, während einige Abhänge von Schaden bewahrt bleiben. Die Kartoffelernte fällt sehr schlecht aus, der Preis für den Zentner steigt auf 3 Goldmark. Auch der Hafer steht schlecht, Grummet fehlt ganz.
Noch immer wird an einer oberflächlichen Landbearbeitung, der Schiffelung, festgehalten. Fehlender Kunstdünger, aber auch das rauhe Klima und die langen Winter verursachen Hungerjahre.
1890 Am 28.12. fand eine öffentliche Volkszählung statt.
1893 Das Jahr muß für den Landwirt als wahres Hungerjahr bezeichnet werden. Die Trockenheit im Sommer und Herbst haben einen großen Futtermangel zur Folge. Man sieht sich vielerorts gezwungen, den größten Teil des Viehs zu verkaufen. Dünnes Reisig wird zu Viehfutter gequetscht und kleingeschnitten. Am 1.4. wird in Deutschland die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) eingeführt.
1894 Joachim Tombers erhält die Zulassung zur Errichtung einer Postagentur.
1899  Das Jahr ist in jeder Hinsicht für den Bauern gesegnet.
1900 Die Jahrhundertwende
Der Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert vollzieht sich sang- und klanglos. Für die Bewohner der Eifel scheint die Zeit eher stillzustehen. Noch bis Anfang des Ersten Weltkrieges (1914) erscheinen regelmäßig Anzeigen in den hiesigen Zeitungen, die für die Auswanderung werben.
1903

 Die Spar- und Darlehenskasse, der Vorläufer der heutigen Raiffeisen und Volksbank wird gegründet.

1910  Salm hat eine Feuerwehr.
1911

Der Sommer ist der heißeste seit vielen Jahrzehnten. Die Hitze ist an vielen Tagen unerträglich. Wassermangel macht sich in vielen Gegenden bemerkbar.

1912

 Am 17.4. ist eine teilweise Sonnenfinsternis sichtbar. Sie nimmt ihren Anfang gegen 12 Uhr. Der Schatten des Mondes tritt von unten rechts vor die Sonne und verfinstert sie nach oben fortschreitend. Gegen 13 Uhr ist der Höhepunkt erreicht. Das Tageslicht geht in  Dämmerung iiber. Eine starke Abkühlung der Luft, die deutlich fühlbar ist, erhöht die geheimnisvolle Stille, die über der Natur liegt.

1913

Der Sommer des Jahres läßt anfangs auf eine heiße Zeit schließen. Aber bald setzt Regenwetter ein. An den wenigen schonen Tagen muß man sich bemühen, seine Feldfrüchte einzubringen, die eine mittlere Ernte versprechen.

1914

Am 30. Juni durcheilt die schreckliche Kunde den Ort, daß der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand mit seiner Gemahlin in Sarajewo ermordet Worden sind. Die Unruhe wächst von Tag zu Tag. Die Antwort auf das Ultimatum Österreichs an Serbien wird mit Spannung erwartet; sie ist ausweichend. Keiner verspürt mehr Lust zum Arbeiten, alles erscheint so sinnlos. Kaffee und Salz wird gekauft, da man solches im Krieg nicht mehr erhalten soll. Der Krieg steht vor der Tür. Militär trifft ein, die Westgrenze wird besetzt.

Am 1. August kommt der Mobilmachungsbefehl hier an.
Pressebericht vom 1. August 1914:

Bekanntmachung!

Seine Majestät der Kaiser haben die Mobilmachung der Armee und Marine befohlen. Erster Mobilmachungstag ist der 2. August.

Mit der zweiten Auswanderungsweile geht eine Großtante von mir, (Verfasser Edmund Mertes) nach Amerika; die Eheleute Michael Tombers und Katharina Hermes. Erst nach 40 Jahren besuchte sie noch einmal ihre Heimat.



Abb. 11 Schneggisch Chrest un Kumpen Kloos
im ersten Weltkrieg

1915

Wie überall macht sich auch bei uns eine bedeutende Lebensmittelteuerung bemerkbar. Die Preissteigerung liegt zwischen 25 und 50 %.Butter kostet je Kilogramm 4 RM, ein Dutzend Eier 2,50 RM und ein Liter Milch 30 Pfennige.

1916

Vom 1. Mai an sind auch hier die Uhren um eine Stunde vorgestellt  worden. Am 14. Dezember kann man den Schlachtenlärm schwerer Geschütze aus Richtung Verdun in einer Stärke wie nie zuvor hören.

1917

In diesem Winter herrscht eine solche Kälte, wie sie selbst die ältesten Dorfbewohner noch nicht erlebt haben. Viele Kartoffeln erfrieren in den Kellern. Der kälteste Tag ist der 2. Februar. Das Thermometer fällt auf - 23" C. Auch manches Stück Wild wird ein Opfer der Kälte.

1918

Endlich ist der Krieg zu Ende. Vom 18. November bis in den Dezember hinein durchziehen heimkehrende Truppen die Orte. Alle freuen sich, mit dem Leben davongekommen zu sein. Voll Angst und Furcht erwartet man die Besetzung: Es waren Amerikaner. Im 1. Weltkrieg sind 24 Soldaten aus unserem Ort gefallen.

1919

Die Amerikaner ziehen im März ab; französische Soldaten besetzen unsere Gegend, die sie erst im Jahre 1930 verlassen. Am 21. September fiel der erste Schnee. Damit hat der an Eigenheiten und Gegensätzen in der Witterung so reiche Sommer einen entsprechenden Abschluß gefunden.

1920

Ein voreiliges Frühjahrswetter hat durch ungeheure Regengüsse die auf den Höhen liegenden Schneemassen schnell zum Schmelzen gebracht. Die Wirkung des Junifrostes zeigt sich vor allem darin, daß man aus einem Morgen nur 80 Pfund Korn erntet.

1921

 Am 20. Februar findet die Wahl zum preußischen Landtag statt.

1925

Nach ersten Überlegungen im Jahre 1910 wird mit dem Bau der örtlichen Wasserleitung begonnen.

1926 Salm wird an das Stromnetz der Kreisverwaltung angeschlossen. Ab dem Jahre 1936 sind die Rheinisch - Westfälischen Elektrizitätswerke (RWE) Stromlieferant.
1927

Unser Ort wird an die von der Post eingerichtete Omnibuslinie Manderscheid - Gerolstein angeschlossen. Der Musikverein, Vorläufer der heutigen "Salmwaldmusikanten", wird gegründet.

1929/31

Ohne großen Maschineneinsatz wird die Bundesstraße als Arbeitsbeschaffungsobjekt während der großen Arbeitslosigkeit gebaut. Es entsteht die direkte Straßenverbindung Daun - Bitburg - Trier. Es finden sich einige Männer und gründen die Schützenbruderschaft "St. Hubertus". In der Gemarkung "Locher" wird nach Ton gegraben. Leider sind Qualität und Vorkommen nicht für einen Abbau geeignet. Ein hoffnungsvolles Unternehmen endet in den Anfängen. Ein wüchsiges Maiwetter beschert den Wiesen einen selten guten Graswuchs, der Preis fiir Heu ist daher sehr niedrig. Die Obsternte ist 1930 so gering, daß für Viezäpfel 8 bis 9 RM gezahlt werden. Der Winter setzt sehr spät ein und bringt auf den Höhenlagen eine Schneedecke von 40 bis 50 cm, die ungefähr 2 Monate liegenbleibt. Im Gemeindewald wird ein Steinbruch eröffnet; das gewonnene Material ist allerdings nur für Straßenbauzwecke verwendbar. Auch ein automatischer Brecher ist vorhanden. Nach dem Krieg wird nochmals Material zum Bau der Dorfstraße abgebaut. Heute erinnert nur noch das Maschinenfundament an vergangene Betriebsamkeit.

1935/36

Der "Ackerweg" wird gebaut (benannt nach seinem Planer und Erbauer Oberförster Acker) und erlangt nach seiner Einbeziehung ins öffentliche Straßennetz Bedeutung als günstige Verbindung nach Gerolstein. Als bedeutende technische Neuerung wurde der Selbstwählverkehr eingeführt. Das wohl vielseitigste Salmer Familienunternehmen, "Possen" (Berg), bietet seine Dienstleistungen an: Post, Schreinerei, Schneiderei, Kolonialwaren, Busunternehmen und Tankstelle. Auch eine Landwirtschaft ist noch vorhanden.

1937

Zur Bekämpfung des Kartoffelkäfers wird hier wie überall ein Suchdienst eingerichtet. Jedes Haus ist verpflichtet, an den Sammeltagen eine Person freizustellen. Auf dem Prümscheid, der höchsten Erhebung unserer Umgebung (675 m ü.NN) wird ein hölzerner Aussichtsturm errichtet.

[weiter]

[zum Inhaltsverzeichnis]